Paulinenhofsiedlung,
Frankfurt (Oder)

Paulinenhofsiedlung,
Frankfurt (Oder)

Die Paulinenhofsiedlung

Der Kölner Architekt Martin Kießling (1879-1944) gestaltete die Paulinenhofsiedlung (erbaut 1922-1925) im Stile einer Gartenstadt - mit einem großzügigen Platz als Zentrum, einer breiten Allee als Haupt- und Sichtachse und durch Torbauten betonten Zugängen. Architektonisch stehen die Bauten der Siedlung mit ihrer traditionellen Formensprache im Kontrast zur Bauhaus-geprägten Moderne.

"[...] Der Paulinenhof stellt das größte und städtebaulich wie architektonisch ambitionierteste Frankfurter Bauvorhaben der Zwanziger Jahre dar. Martin Kießling schuf eine Siedlung ganz eigenen Charakters, deren Struktur und Anlage sich an Dorfformen und Kleinstädten ebenso orientiert wie sie Vorstellungen der Gartenstadtbewegung aufnimmt. Es handelt sich um eine mit wenigen gestalterischen Mitteln wirkungsvoll gestaltete Siedlung und zugleich eine der bedeutendsten im Land Brandenburg. Durch eine intensive Farbigkeit und geschickte, auch durch bauliche Details betonte Akzente schuft Kießling Blickpunkte, hob die unterschiedliche Abfolge von Straßen und Plätzen hervor und setzt besondere Akzente an den Eingängen. Die Siedlung gehört zu den künstlerisch überzeugenden, traditionell geprägten Gegenentwürfen zu der von der Bauhausbewegung bestimmten Moderne. Nicht zuletzt eröffnete die Paulinenhofsiedlung ein Neubauquartier, das sich Ende der Zwanziger Jahre mit dem Musikheim und der Pädagogischen Akademie zum Zentrum der pädagogischen Ausbildung entwickeln sollte."[1]

Bei seinen Planungen für den Paulinenhof hatte Kießling auch den Bau einer Schule und einer Kirche vorgesehen. An der ursprünglich für die Kirche vorgesehenen Stelle entstand 1926/27 nach den Plänen des Stadtbaumeisters Josef Gesing die Hindenburgschule, heute Erich-Kästner-Schule, als expressionistischer Ziegelbau, welche als Musterschule im Sinne der reformpädagogischen Ideen deutschlandweit Beachtung fand. Der Kirchbau selbst kam nicht zustande, es entstand nur das dazu gehörige Gemeindehaus (1928) in Nachbarschaft zum sogenannten Theaterteich, einer ehemaligen Tongrube.

 

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[1] Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg, Stadt Frankfurt (Oder), Hrsg. Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, Texte Sybille Gramlich u.a., Worms, 2002, S. 312.