Leo Kerstenberg
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/
Leo_Kestenberg
Leo Kestenberg

Leo Kestenberg (1882-1962) war ausgebildeter Pianist und ein frühes Mitglied der SPD, später dann der politisch etwas weiter links zuzuordnenden USPD. Kestenberg war ab 1918 als wissenschaftlicher Mitarbeiter und ab 1920 als Referent im preußischen Kultusministerium angestellt, wo er sich mit einer Erneuerung der musikkulturellen und pädagogischen Institutionen auf parteiübergreifender Basis beschäftigte. Die Zusammenarbeit von Kestenberg mit dem späteren preußischen Kultusminister Carl Heinrich Becker wird dabei als sehr eng beschrieben.

1920 fand die große Reichsschulkonferenz statt, die in erster Linie dem Austausch der unterschiedlichen Auffassungen und Reformideen der verschiedenen Parteien und Gruppen galt. Bereits in dem offiziellen Abschlussbericht heißt es: "[Es geht um die] Doppelaufgabe, künstlerische Gestaltungskraft und Empfänglichkeit für Kunst zu entwickeln. [...] Kaum eine andere Kunst dient so dem Gemeinschaftsleben wie die Musik" (nach Ehrenforth, S. 458). Kestenberg fasste seine Ansichten in einer ersten Schrift 1921 unter dem Titel "Musikerziehung und Musikpflege" zusammen. Etwas später, 1923, wird er dann aufgefordert, in Absprache mit weiteren Musikpädagogen, die Reformgedanken zusammenzufassen. Die Schrift unter dem Titel "Denkschrift über die gesamte Musikpflege in Schule und Volk" fasst die Kestenbergreformen zusammen und wird, unter breiter Zustimmung im Parlament, vom zu diesem Zeitpunkt amtierenden Kultusminister Otto Boelitz vorgestellt. Die Reformen schaffen es letztlich, das eigenständige Schulfach Musik zu etablieren und die Ausbildung der Musiklehrer zu akademisieren. Teile der Reformen weisen reformpädagogisches Gedankengut auf, wie etwa die Forderung nach einer Musikpädagogik "vom Kinde aus". Kestenberg folgt insbesondere der Arbeitsschulbewegung, mit der Ansicht, dass ohne einen gleichwertigen Praxisanteil keine ausreichende Vermittlung von Bildung möglich sei. Auch ganz im Sinne von Nietzsche, prangert Kestenberg die vergeistigte Musik an und sieht, auch im Sinne der Jugendbewegung, in der Musik eine "einigende Kraft".

Weiterführende Informationen Kestenbergs Leben und Wirken finden sich z.B. unter www.leo-kestenberg.com/musikpaedagogen-kulturpolitiker/index.cfm