Nach 1918 – Aufbruch und Umbruch

Unterrichtsplan für Handwerker, Architekten und bildende Künster, Quelle: Otto Bartning Archiv, TU Darmstadt

Nach 1918 – Aufbruch und Umbruch

„Vom neuen Kirchbau“ – eine wegweisende Publikation
1919 erschien bei Bruno Cassirer sein Buch “Vom neuen Kirchbau”, in welchem er sich mit der Problematik des evangelischen Kirchenbaus beschäftigte. Darin äußert er die Hoffnung, daß „die Vergeistigung der Kirche und der Kirchbaukunst“ einer „Vergeistigung der menschlichen Gesellschaft“ den Weg bereiten kann. Der zeitgenössische protestantische Kirchenbau hat dagegen nur noch Profanbauten hervorgebracht, die zwar „zweckmäßige Gefäße“, nicht aber „Ausdrucksform der Religion“ sind.[1]
Bartning sah die Lösung in der räumlichen Trennung zwischen der auf den Verstand bezogenen Predigt und der religiösen Feier. In einem visionären Bild eines zukünftigen Sakralbaues nahm er bereits wesentliche Elemente seines Entwurfes der Sternkirche vorneweg. In seinem Buch stellt Bartning aber auch Betrachtungen an, die über das eigentliche Thema hinausgehen. Zum Beispiel beschäftigte er sich mit der Arbeitsteilung, deren Ziel und Antrieb Wettbewerb, Propaganda, Konkurrenz, Diebstahl und Totschlag seien. Diesem trennenden feindseligen Prinzip der Arbeitsteilung stellt er das verbindende Prinzip „aus gemeinsamem Wollen erwachsender Qualitätsarbeit“ gegenüber.[2]

 

Arbeitskreis für Kunst und Deutscher Werkbund
Seine Nachkriegstätigkeit in den verschiedenen Vereinigungen, wie dem Arbeitskreis für Kunst und dem Deutschen Werkbund, zielte auf eine grundlegende Reform des kulturellen Lebens in Deutschland.
Dazu gehörte auch seine Mitarbeit an der seit Januar 1919 erschienenen Zeitschrift “Die Volkswohnung“, welche Themen wie Kleinsiedlung, Rückkehr zur Natur, Vorschläge für ein autarkes und handwerklich geprägtes Deutschland etc. behandelte. Die Zeitschrift vertrat damit Vorstellungen, die auch von Heinrich Tessenow vertreten wurden und die wohl einen gewissen Einfluss auf die Arbeit Bartnings hatten. Es war schließlich auch Heinrich Tessenow, der Bartning später als Leiter der neuen Bauhochschule in Weimar vorschlug

Im November 1918 bildete sich in Berlin der Arbeitsrat für Kunst. Die erste Flugschrift des Arbeitsrates erschien unter dem Titel „Ein Architektur-Programm“ im Dezember 1918. Im zur gleichen Zeit verbreiteten Gründungsmanifest stand als Leitsatz:
Kunst und Volk müssen eine Einheit bilden. Die Kunst soll nicht mehr Genuß weniger, sondern Glück und Leben der Masse sein. Zusammenschluß der Künste unter den Flügeln einer großen Baukunst ist das Ziel. Fortan ist der Künstler allein als Gestalter des Volksempfindens verantwortlich für das sichtbare Gewand des neuen Staates.

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[1]Bartning, Otto: Vom neuen Kirchbau, Berlin, 1919.
[2] Bartning, Otto: Vom neuen Kirchbau, Berlin, 1919.

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