Frühe Berufsjahre

Ev. Pfarrkirche Peggau Quelle
Evangesiche Pfarrkirche in Peggau
Quelle: Wikipedia,
Urheber: Liuthalas

Frühe Berufsjahre

Ab 1905 war Otto Bartning in Berlin bereits als freischaffender Architekt mit eigenem Büro tätig.
1906 schuf er als Dreiundzwanzigjähriger seinen ersten Bau: Die evangelische Friedenskirche mit Pfarrhaus und Gemeindesaal in Peggau (Steiermark).
Ebenfalls 1906 erfolgte ein mehrmonatiger Italien-Aufenthalt in Florenz und Rom.
1907 beendete er sein Studium, welches er nach der Rückkehr von seiner Weltreise in Berlin und seiner Heimatstadt Karlsruhe zunächst fortgesetzt hatte, ohne formalen Abschluss.

Um diese Zeit begann auch seine publizistische Tätigkeit, in der er sich mit seinem Fachgebiet auseinandersetzte. Es erschien sein erster größerer Aufsatz unter dem Titel „Zur Baugeschichte des letzten Jahrzehnts“ in „Der Kunstwart“ (1907).
Darin kam er unter anderem zu der Erkenntnis, daß die immer weiter vordringende Technik eine „rein materialistische Fertigkeit“ sei, die erst „durch die ästhetische Form zum geistigen Besitz werden könne“.[1]

Leitbild für ihn wurde die „einfache, handfeste und ganz handwerkliche Klassik“ Friedrich Weinbrenners – des großen Architektes seiner Heimatstadt Karlsruhe. Ein besonderes Verhältnis verband ihn zu dieser Zeit mit Paul Schultze-Naumburg, einem Freund und Lehrer seines Bruders Ludwig, welchen er in Berlin traf und in seinem Hause im thüringischen Saaleck besuchte. Schultze-Naumburg versuchte, ihn als Juniorpartner zu gewinnen, was Otto Bartning jedoch ablehnte. Nach Verlassen der Hochschule siedelte Bartning ganz nach Berlin über.

1909 erfolgte die Heirat mit Cläry Fuchs aus Köln (*13.11.1878 +12.11.1966).
1910 Geburt der ersten Tochter Marianne.
1913 folgte Sohn Peter, der auch Architekt wurde und u.a. bei Heinrich Tessenow studierte.

Auf die Kirche in Peggau folgten bis zum Ersten Weltkrieg noch 17 weitere Diaspora-Kirchen, in baulicher Einheit mit Gemeindesaal und Pfarrhaus, für die „Los-von-Rom“-Bewegung in Österreich-Ungarn. Daneben entstanden Villen und Wohnhäuser.
1909/1910 entsteht mit der Altlutherischen Kirche in Essen der erste Kirchenbau Bartnings in Deutschland. Seine Entwürfe aus dieser Zeit sind meist noch der barocken und klassizistischen Formensprache verhaftet.

1913 schrieb Otto Bartning dazu in einem Artikel in der „Vossischen Zeitung“: „Eine moderne Bauaufgabe […] muß ein modernes Bauwerk ergeben, aber sie braucht keine modernen Stilformen im Sinne neuartiger Ornamente oder Dekorationen zu zeitigen. Ja, der moderne Baumeister kann und wird sich überkommener Symbole bedienen, ebenso wie er sich nicht schämt, überkommene Konstruktionen anzuwenden.“[2]

Daneben enstanden aber auch Bauwerke von spartanisch anmutender Kargheit, wie zum Beispiel das Wohnhaus von Robert von Simson in Berlin-Dahlem (1914-15)
Seit 1912 war Bartning Mitglied des 1907 gegründeten „Deutschen Werkbundes“, beschränkte sich aber zu dieser Zeit noch auf die Rolle eines unparteiischen Zuhörers
1914-1918: Im Ersten Weltkrieg blieb ihm die Fronterfahrung erspart, er stellte sein Berliner Büro dem „Roten Kreuz“ zur Verfügung und tat selbst darin Dienst im „Arbeitsnachweis für genesende Soldaten.“[3]

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[1] Bartning, Otto: Zur Baugeschichte des letzten Jahrzehnts, in: Der Kunstwart, 20. Jg, 1907, 1. Septemberheft, S. 609-610.
[2] Bartning, Otto: Vom Wesen der Baukunst, in: Vossische Zeitung, Berlin, Nr. 446, 3.9.1913.
[3] Bartning, Otto: Arbeitsnachweis für genesende Soldaten, in: Mitteilungen aus dem Intendanzwesen, Wien, 1913-1915, S. 727.

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