Musikheim

Musikheim Blick von der Straße aus
Musikheim Blick von der Straße aus, Quelle: Otto Bartning Archiv TU Darmstadt

 
Musikheim, Grundriss des Erdgeschoss
Grundriss des Erdgeschoss, Tusche auf Transparent, Quelle: Otto Bartning Archiv TU Darmstadt

Das Musikheim

Ein Auftritt der Märkischen Spielgemeinde unter der Leitung von Georg Götsch in Weimar hatte den Zuhörer Otto Bartning – damals bereits Leiter der Staatlichen Bauhochschule – begeistert. Neben den sängerischen Leistungen des Chores beeindruckten ihn besonders die gezeigten alt-englischen Kontratänze. Es entwickelte sich daraus die Bekanntschaft zu Georg Götsch, aus der eine Freundschaft erwuchs. (Brief an Bartning)

Als die Ideen für den Bau des Musikheims konkreter wurden, ergab es sich daher fast von selbst, dass Otto Bartning die Planung für dieses Projekt übernahm.
Für Sie und Ihre Menschenkreise möchte ich wohl bauen“, hatte Bartning dazu gesagt, „da sieht man doch einen klaren Bauauftrag!“[1] (Musik und Raum)
Das Musikheim ist dabei ein gutes Beispiel für das Verständnis Bartnings von der Aufgabe des Architekten und der Architektur: „Ich bin vielleicht gar kein Architekt, sofern mir der Mensch und die Aufgabe wichtiger ist als der Bau.“[2]

Das äußere Erscheinungsbild des Musikheims wurde zur Erbauungszeit vielfach kritisiert – zu schlicht und karg, ja geradezu abweisend erschien es damals vielen Menschen. Der völlige Verzicht auf eine repräsentative Gestaltung des Äußeren war umso auffälliger, da das Musikheim ansonsten mit seinen Satteldächern und dem verwendeten Ziegelstein durchaus der traditionellen Formensprache verbunden war.

Die Gestaltung des Inneren hingegen wurde meist sehr gelobt. Dazu trug neben der baulichen Gestaltung der Räume auch die von den Werkstätten der Bauhochschule ausgeführte, gestalterisch hochwertige Ausstattung mit Möbeln, Vorhangstoffen und Beleuchtungskörpern sowie das von Ludwig Hirschfeld-Mack entworfene Farbkonzept zu einem großen Teil bei. (Pressestimmen)

Die Einordnung des Musikheims in den Kontext der zeitgenössischen Architektur erweist sich als schwierig – die Grundrisskonzeption und die Ausstattung sehr modern und fortschrittlich, die äußere Gestaltung mit den Satteldächern, dem Rundturm mit Kegeldach und der entsprechend handwerklichen Bauausführung auf eine schlichte Weise traditionell und konservativ. Daher erscheint die Einsortierung in eine der gängigen Stil-Schubladen – Klassische Moderne, Neues Bauen, Neue Sachlichkeit, Bauhaus-Stil, etc. – weder möglich noch hilfreich.
Man kann stattdessen sagen, dass beim Musikheim eine besondere Bauaufgabe zu einer besonderen architektonischen Lösung führte. (Beschreibungen und Deutungen)

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[1] Götsch, Georg: Brief an Baumeister Bartning zum 60. Geburtstag, 1943, Archiv der Jugendbewegung Burg Ludwigstein, Nachlass Georg Götsch (N62 – 149).
[2] Beyer, Oskar: Otto Bartning in kurzen Worten. Schriften und Reden des Architekten, 1954, S. 32.

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