Der Beginn

Kleist-Theater mit dem neuen Bühnenüberbau
Kleist-Theater mit dem neuen Bühnenüberbau, Quelle: Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Der Beginn

Bereits kurz nach Ende des Krieges versuchte der Schauspieler Bruno Karl, das “kulturelle Leben in der Oderstadt durch Veranstaltungen der verschiedensten Art […] wieder in Gang zu bringen“[1]. Er veranstaltete u.a. einen Rezitationsabend aus der Tragödie „Faust“ im Musikheim. Auch die Besatzungsbehörden forderten das neu gegründete Kulturamt auf, das Kulturleben in der Stadt wieder zu beleben. Als Aufführungsort wurde das ehemalige Musikheim gewählt – ein erstes Konzert fand im Juni 1945 statt. Neben dem Kulturamt wurde das Musikheim noch von anderen Institutionen und Personen genutzt. So hielt ein evangelischer Pfarrer Bibelstunden und Konfirmandenunterricht in den Räumen ab. Des Weiteren nutzten sowjetische Truppen den großen Saal für Konzerte. Außerdem beherbergte das Gebäude einen Kindergarten, ein Orchester und die Polizeitruppe der Besatzungsmacht.[2]

Im Februar 1946 entschied das Kulturamt den (Wieder-)Aufbau eines eigenen Spielkörpers, da die „Versorgung“ mit Gastspielen anderer Theatergruppen nicht funktionierte. –Gastspiele wurden immer wieder abgesagt, die Bühnenleiter Angst um die Gesundheit ihrer Künstler hatten, die z.B. wegen ausgefallener Züge, Wind und Wetter ausgesetzt waren. Als Spielstätte wurde, bis das neu zu planende Theatergebäude fertig war, das ehemalige Musikheim an der Gnesener Straße gewählt. Eine kleine Bühne war bereits vorhanden und eine Probebühne, Verwaltungsräume und Garderoben konnten in dem Gebäude problemlos untergebracht werden. Das neue Theater sollte „Stadttheater Frankfurt/ Oder (Kammerspiele im Musikheim)“ heißen.[3]

Mit der Amtsübernahme des Intendanten Curt Asmus-Bach im März 1946, begannen die Aufräumarbeiten im Musikheim. Schäden an Dach und Gebäude wurden repariert und die Bühne ausgebaut. Aus den Trümmern des alten Stadttheaters konnte neben einigen unzerstörten Spezialscheinwerfern, Dekorations- und Möbelstücken auch ein Teil des Theaterfundus geborgen werden. Bis Ende April wurde das, laut Asmus-Bach ziemlich heruntergekommene Gebäude provisorisch renoviert. Verzögerungen ergaben sich durch Materialschwierigkeiten und der Tatsache, dass das Gebäude immer noch von verschiedenen Institutionen genutzt wurde. Trotzdem wurde die Eröffnung des Theaters mit dem Lustspiel „Renaissance“ am 04.05.1946 – 5 Tage später als geplant – ein Erfolg. Da das Theater nur über knapp 300 Sitzplätze verfügte, wurde eine Freilichtbühne im Garten eingerichtet. Diese wurde schon am 09.06.1946 mit dem Lustspiel „Im weißen Röss’l“ vor 1.500 Zuschauern eröffnet. Zu Ehren Gerhart Hauptmanns wurden im November des Jahres verschiedene Stücke des Schriftstellers inszeniert und, auf Antrag des Intendanten Asmus-Bach, die Gnesener Straße in die Gerhart-Hauptmann-Straße umbenannt. Das bisher dem Stadttheater nur lose angegliederte Orchester wurde im Dezember in ein festes Vertragsverhältnis übernommen. Bis zum Ende des Jahres gab das Theater mit 45 Mitarbeitern, davon 18 Künstler, 80 Vorstellungen, die von 21.500 Zuschauern besucht wurden.[4]

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[1] Hans-Jürgen Senff: Kleist-Theater. Frankfurt an der Oder 1946-56, Frankfurt (Oder), 1956, S. 4.
[2] Stadtarchiv Frankfurt (Oder), Aktenzeichen 206, Bl. 1, 21.
[3] Stadtarchiv Frankfurt (Oder), Aktenzeichen 175, Bl. 274f-275.
[4] Stadtarchiv Frankfurt (Oder), Aktenzeichen 175, Bl. 201, 252-253.

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