Die Vorgeschichte

Rathaus in Frankfurt (Oder)Das Rathaus in Frankfurt
 

 

 

 

 

 

Alte Stadttheater, Kupferstich von Erich Seiffert
Alte Stadttheater, Kupferstich von Erich Seiffert
Quelle: museum-luebben.de

Die Vorgeschichte

Das Theater in Frankfurt (Oder) blickt auf eine lange Geschichte zurück. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts fanden erste Theateraufführungen von Studenten und Professoren an der Universität (Alma Mater Viadrina) statt. In dieser Zeit entstanden auch die wandernden Schauspielgruppen, die mit ihrem Repertoire verschiedene Städte besuchten. Sie inszenierten ihr Programm u.a. im gotischen Rathaus von Frankfurt (Oder), vornehmlich zu den drei Messen. Im Jahr 1706, zum 200-jährigen Jubiläum der Universität, wurden die ersten Theaterfestspiele veranstaltet, zu dem auch König Friedrich I. und sein Hofstaat erschienen. Ab 1742 fanden die Aufführungen dann im „Ballhaus“ an der Graphengießergasse statt, welches 1769 für den Spielbetrieb umgebaut wurde.[1]

Einer der Höhepunkte der Frankfurter Theatergeschichte ist die Uraufführung von „Miß Sara Sampson“ von Gottholt Ephraim Lessing durch die Ackermannsche Truppe. mDas Stück, welches den Beginn des bürgerlichen Trauerspiels in Deutschland markiert, wurde am 10. Juni 1755 im Beisein seines Autors aufgeführt. Aber schon bald wurden die Reisefreiheit der wandernden Schauspielgruppen und das Laienspiel stark eingeschränkt bzw. verboten. Es durften nur noch die Kompanien reisen und auftreten, welche „von Sr. Köngl. Majestät spezialiter privilegiret“[2] waren. Das schlichtere „Köngliche Excerier-Haus“ löste 1790 das “Ballhaus” als Spielstätte ab. Nach fast 30 Jahren Spielzeit im „Köngliche Excerier-Haus“ wurde 1818 die ehemaligen französisch-reformierte Kirche in Frankfurt (Oder) Heimstätte des Theaters .[3]

1842 wurde das erste nur für den Spielbetrieb geplante Gebäude errichtet. Es entstand am Wilhelmsplatz, wo sich im Mittelalter ein Pestfriedhof befand. Es wurde nach Plänen des Stadtbaurates Emil Karl Alexander Flaminus, einen Schüler Karl Friedrich Schinkels, erbaut. Die neue Spielstätte wurde am 01. November 1842 mit der Oper“Zar und Zimmermann”von Albert Lortzing eröffnet und beherbergte über 30 Jahre das einzige Theater Brandenburgs. Bespielt wurde das Theater mit 800 Plätzen nur zwischen Oktober und April, da es im Sommer zu heiß in dem fensterlosen Saal war.

Erst ab 1941 fand ein ganzjähriger Spielbetrieb in dem Gebäude statt,– um die zahlreichen Soldaten und Verwundeten, die sich in der Stadt aufhielten, zu unterhalten. Mit der Order vom 31. August 1944, dass alle deutschen Theater den Spielbetrieb einzustellen haben, schloss sich der letzte Vorhang im Stadttheater – für immer. Das Gebäude, mittlerweile zum Depot für die Wehrmacht umgebaut, wurde im April 1945 bei der Eroberung der Stadt durch ein Feuer zerstört.[4]

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[1] Toni Berndt: Deutschland macht Theater: Das deutsche Stadttheater in Geschichte und Gegenwart und am Beispiel der Stadt Frankfurt (Oder), Stuttgart, 2008, S. 17ff; Stadtarchiv Frankfurt (Oder), Aktenzeichen 175, Bl. 306.
[2] Zitiert nach Heinrich Grimm: Der Anteil einer Stadt am deutschen Theater – die 425 jährige Theatergeschichte der alten Universitäts- und Messestadt Frankfurt an der Oder. Frankfurt/ Oder, u.a. 1942, S. 43.
[3] Toni Berndt: Deutschland macht Theater: Das deutsche Stadttheater in Geschichte und Gegenwart und am Beispiel der Stadt Frankfurt (Oder), Stuttgart, 2008, S. 20ff.
[4] Toni Berndt: Deutschland macht Theater: Das deutsche Stadttheater in Geschichte und Gegenwart und am Beispiel der Stadt Frankfurt (Oder), Stuttgart, 2008, S. 24ff; Stadtarchiv Frankfurt (Oder), Aktenzeichen 14459, Blatt 38.

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