Die Staatlichen Bauhochschule in Weimar (1926-1930) 2

Fortsetzung “Die Staatlichen Bauhochschule in Weimar (1926-1930) – Teil 2″

Die Arbeit der Bauhochschule
Im ersten Jahr belief sich die Zahl der Studierenden auf nur 39, welche Großteils in der Bauabteilung studierten, während die Werkstätten insgesamt nur geringe Schülerzahlen zu verzeichnen hatten. Erst 1928 hatte sich die Studierendenzahl immerhin verdoppelt. Zum Vergleich: Im Sommersemester 1929 studierten am Bauhaus in Dessau 170 Studenten.
Die Werkstätten beteiligten sich von Beginn an den Bauvorhaben, die vor allem über das Büro Bartnings gewonnen wurden. So wurden das Kinderheim in Neuruppin (1926), der Deutsche Pavillon auf der Mailänder Messe (1926-1927), die Stahlkirche auf der PRESSA (1928) und auch das Musikheim in Frankfurt/Oder (1929) mit Möbeln, Leuchten und Stoffen ausgestattet.

In der Tischlerei und der Metallwerkstatt wurden unter Dieckmann und Winkelmayer bzw. Wagenfeld Typen-Modelle für die Serienproduktion entwickelt, welche sehr erfolgreich waren, da sie zwar modern aber doch gefälliger waren als manche Entwürfe des Dessauer Bauhauses. Die Bauhochschule selbst charakterisierte sie mit dem Begriff ausdrucksvolle Sachlichkeit.
Mit Hilfe einer seit Mitte 1928 aufgebauten Vertriebsorganisation konnte mit den in den Werkstätten entwickelten Möbeln, Leuchten, Baubeschlägen, Stoffen und Töpfereiprodukten in kurzer Zeit eine hohe gesellschaftliche Relevanz erzielt werden. Aus diesem Erfolg entwickelte sich jedoch ein Konflikt zwischen den Werkstattleitern und dem Direktorium, da eine Umsatzbeteiligung der Werkstattleiter nicht vorgesehen war.

Die Bauabteilung unter der Führung Neuferts – erst ab 1928 beteiligte sich auch Bartning verstärkt an der Lehre – entwickelte sich sehr erfolgreich. Die Ausbildung war sehr praxisnah. Bereits nach zwei theoretischen Semestern wurden die Studenten an konkreten Bauprojekten beteiligt. Unter der Leitung Neuferts entstanden das Studentenhaus und das Mathematische Institut der Carl-Zeiss-Stiftung in Jena (1929-1930). Die Planungshoheit für das Musikheim in Frankfurt/Oder verblieb wahrscheinlich zum größeren Teil beim Berliner Büro Bartnings. Das Farbkonzept für das Musikheim entwickelte Ludwig Hirschfeld-Mack (und zum Teil Erich Dieckmann), einen – nicht ausgeführten – Bebauungsplan für die Umgebung des Musikheims entwickelte Cornelis van Eesteren.
Die durch die Bauabteilung geplanten und ausgeführten Bauwerke „sind in ihrer überzeugenden architektonischen Qualität charakteristische Beispiele des Neuen Bauens in den zwanziger Jahren“[1] schreibt Adalbert Behr.

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[1] Behr, Adalbert: Die Bauhochschule Weimar 1926-1939, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, 26. Jg, 1979, Heft 4/5, S. 386.

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