Die Staatlichen Bauhochschule in Weimar (1926-1930) 3

Fortsetzung “Die Staatlichen Bauhochschule in Weimar (1926-1930) – Teil 3″

Das Ende der Bauhochschule
An den hohen Staatzuschüssen bei gleichzeitig geringen Studentenzahlen entfachte sich weiter die Kritik der Oppositionsparteien im thüringischen Landtag. Auch am Gehalt Bartnings und seiner nur zeitweiligen Anwesenheit in Weimar wurde zunehmend Kritik geübt. Kritisiert wurde auch, dass die Ausrichtung der Ausbildung nicht mehr den Erfordernissen des Handwerkes entspräche. Bartning reichte schließlich zum 31. März 1930 seinen Rücktritt ein, den übrigen Lehrkräften wurde gekündigt.

Die im Januar 1930 gebildete rechtsbürgerlich-nationalsozialistische Regierung mit Wilhelm Frick als Innen- und Volksbildungsminister, dem späteren Reichsinnenminister und in Nürnberg als Haupt-Kriegsverbrecher Verurteilten, setzte Paul Schultze-Naumburg als neuen Leiter der jetzt „Vereinigten Staatlichen Kunstlehranstalten“ ein. Andere Pläne sahen Adolf Hitler als neuen Leiter vor, um ihm auf diesem Wege die deutsche Staatsbürgerschaft zu verschaffen. Ein solches Vorgehen wurde allerdings sowohl von Hitler selbst wie auch dem Koalitionspartner der NSDAP im thüringischen Landtag abgelehnt.
Unter Paul Schultze-Naumburg, der die Moderne in Kunst und Architektur inzwischen vehement ablehnte und bekämpfte, „begann der Aufbau der ersten faschistischen Hochschule in Deutschland“[2], wie Adalbert Behr es beschreibt. Dies begann konkret u.a. mit der Zerstörung der Wandmalereien Oskar Schlemmers im Treppenhaus des Van-de-Velde-Baus der Weimarer Hochschule und mündete in die Aktionen zur „Entarteten Kunst“.
Die Schließung der „Bauhochschule“ fand ein breites und kritisches Echo in der Öffentlichkeit. Der Kunsthistoriker Justus Bier schrieb dazu in der Zeitschrift „Die Form“: „[…] Alle Großaufträge der Architektur-Abteilung wurden systematisch auch den mit der Bauhochschule verbundenen Handwerksklassen nutzbar gemacht. […] Die Weimarer Möbel, Beleuchtungskörper, Beschläge usw. gehören heute zum Besten und künstlerisch Reinsten, was für den modernen Innenausbau auf dem Markt greifbar ist.“[3]

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[2] Die Bauhochschule Weimar 1926-1939, in: Wissenschaftliche Zeitschrift der Hochschule für Architektur und Bauwesen Weimar, 26. Jg, 1979, Heft 4/5, S. 389.
[3] Bier, Justus: Zur Auflösung der Staatlichen Bauhochschule in Weimar, in : Die Form, 5.Jg, 1930, Heft 10, S. 269.

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