Architektur2


Zeichnung: Deteilplanung Wohnzelle
Zeichnung: Deteilplanung “Wohnzelle”, Quelle: Stadtarchiv Frankfurt (Oder)
Zeichnung: Grundriss EG, Wirtschaftsflügel und Turm
Zeichnung: Grundriss EG, Wirtschaftsflügel und Turm, Quelle: Stadtarchiv Frankfurt (Oder)

Fortsetzung “Die Architektur – Teil 2″

Ein gedrungener, zweigeschossiger Rundturm mit Kegeldach bildet die Verbindung zwischen dem Schulungstrakt und dem Wirtschaftsflügel. Im Erdgeschoss des Turmes befand sich der Speisesaal, der Raum im Obergeschoss diente als intimer Versammlungsort für Kammermusik, Chorübungen und besinnliche Veranstaltungen. Er wird von einem aufwendig gestalteten, offenen Dachtragwerk überfangen, welches dem Raum eine besondere Akustik verleiht. Die insgesamt 31 jeweils 9 m²-großen Einzelwohnräume der Lehrgangsteilnehmer, auch „Wohnzellen“ genannt, zeichneten sich durch eine ebenso praktische wie wohnliche Gestaltung aus. Die Sanitärbereiche, in denen auf eine Geschlechtertrennung verzichtet wurde, waren als Gemeinschafträume in einem eigenen Flügel des Wohntraktes untergebracht.
Ein großer Garten mit altem Obstbaumbestand schließt sich im Norden an das Musikheim-Gebäude an. Er wird zur Straße hin durch eine markante Feldsteinmauer begrenzt, den nördlichen Abschluss bildeten die „Dozentenhäuser“ für den Direktor Georg Götsch und die Musikheimlehrer.

Alle Räume des Musikheimes wurden durch die Werkstätten der Staatlichen Bauhochschule mit gestalterisch hochwertigen Möbeln von Erich Dieckmann, Beleuchtungskörpern und Baubeschlägen von Wilhelm Wagenfeld und Richard Winkelmayer sowie mit Vorhangstoffen ausgestattet. Ludwig Hirschfeld-Mack entwarf das detailliert ausgearbeitete Farbkonzept, welches zu seinen wenigen Arbeiten auf diesem Gebiet gehört. Die fein aufeinander abgestimmten Farben für Wände, Böden und Decken verliehen den Räumen einen freundlichen und einladenden Charakter.
Die ursprüngliche Raumwirkung ist heute nur noch an wenigen Stellen erlebbar, da das Musikheim für die Nutzung als Theater in weiten Teilen umgebaut, überformt und durch weitere Bauten ergänzt wurde.

Im Stadtarchiv Frankfurt/Oder sind umfangreiche Akten zu den verschiedenen Theater-Umbauten archiviert. Unterschiedliche Planungszeichnungen zu denselben Bereichen des Gebäudes legen den Schluss nahe, dass es sich hierbei teilweise um nicht realisierte Entwürfe handelt. Ein Abgleich mit der gebauten Realität kann derzeit nur in Teilbereichen erfolgen, so dass eine verlässliche Darstellung der Umbaugeschichte unter diesen Umständen momentan nicht möglich ist.

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