Das staatliche Musikheim

Tanzkreis, 18. Lehrgang 1936
Tanzkreis, 18. Lehrgang 1936, Quelle: Archiv der Jugendbewegung
 
 
Programm Lehrgänge 1933-34
Programm Lehrgänge 1933-34, Quelle: Archiv der Jugendmusikbewegung

Das staatliche Musikheim

Nachdem die Pläne für eine Landsiedlung gescheitert waren, sollte das Musikheim nun, in Abstimmung mit dem preußischen Kultusministerium, als eine staatlich finanzierte Einrichtung der Erwachsenen-Weiterbildung entstehen. Geplant war die musische Weiterbildung der preußischen Volksschullehrer im Geiste der neuen Richtlinien für den Schulmusik-Unterricht in jährlich drei Lehrgängen von jeweils acht Wochen. Daneben sollte das Heim weitere Kurse und Veranstaltungen in eigener Regie planen und durchführen und außerdem für Veranstaltungen anderer Institutionen unter Mitwirkung der Musikheim-Lehrkräfte offenstehen.
1927 hatte Georg Götsch erste Überlegungen für ein Volkshaus in Frankfurt (Oder) formuliert und nur ein Jahr später konnte bereits die Grundsteinlegung des Musikheims gefeiert werden. Sie erfolgte am 17. September 1928 und ein gutes Jahr später, am 15. Oktober 1929, fand die feierliche Einweihung unter Anwesenheit zahlreicher Festgäste statt.

Waren die staatlichen Lehrgänge zunächst eine ungeliebte Auflage, so erwiesen sie sich bald als die „eigentliche Lebensgrundlage des Musikheims“[1], wie Bitterhof anmerkte. Denn von Anfang an stand das Musikheim finanziell auf schwachen Füßen – schon der Bau selbst war mit äußerst knappem Budget verwirklicht worden. Die staatlichen Lehrgänge sicherten die wirtschaftliche Basis des Musikheims in den Jahren der (Welt-)Wirtschaftskrise und waren zudem von ihrer Aufgabe und Wirkung her als die Hauptleistung des Musikheims anzusehen. (Bedeutung Musikheim)

Neben den staatlichen Lehrgängen fanden weitere Kurse, Reisen und Freizeiten statt, wie z.B. eine Tagung zur Wiederentdeckung der Barockinstrumente, eine Laienspielfreizeit zum Thema Musik im Laienspiel mit Martin Luserke, eine Freizeit der Günther-Schule München mit Carl Orff, mehrere Reisen des Deutschen Singkreises etc.
Das Convivium Viadrinum im Wintersemester 1932/33 war der Versuch eines Hochschulsemesters am Musikheim mit dem Ziel, die Ideen der Hochschulrefom mit einem kleinen Kreis von Studenten umzusetzen und zu erproben.

Von großer Bedeutung war der Kontakt zu Rolf Gardiner, einem persönlichen Freund Georg Götschs aus Berliner Tagen, der die alten englischen Kontratänze wiederentdeckt hatte und diese nun auch in Deutschland populär machte.
Rolf Gardiner war außerdem Pionier des ökologischen Landbaues, den er auf seinem eigenen Bauernhof verwirklichte. Sein Sohn ist der bekannte Dirigent John Eliot Gardiner.
Rolf Gardiners Kontakte zur deutschen Jugendmusikbewegung, zum deutschen Bauernführer Richard Walther Darré sowie seine völkisch-rassischen Schriften aus dieser Zeit trugen ihm nach dem Zweiten Weltkrieg den Vorwurf ein, Nazi-Sympathisant gewesen zu sein.

Das Musikheim bestand noch bis 1941 (nach anderen Quellen bis Anfang 1942). Neben einer Anpassung an die geänderten politischen Verhältnisse, waren es vor allem persönliche Kontakte, die eine Weiterführung der Arbeit ermöglichten. Ein Teilnehmer des ersten Staatlichen Lehrganges, Otto Daumann, entpuppte sich nach 1933 als frühes NSDAP-Mitglied. Als Leiter der Schulabteilung in Frankfurt und aus Begeisterung für die Arbeit des Musikheims und aus Freundschaft zu Georg Götsch hielt er seine schützende Hand über das Musikheim.

1949 wurde die Gesellschaft der Freunde des Musikheims gegründet, die sich 1951 in Musische Gesellschaft umbenannte und ihren Sitz auf der Burg Fürsteneck/Hessen hat, welche 1952 als Heimvolkshochschule entstanden war. Durch die Vermittlung Georg Götschs konnte Otto Bartning als Architekt für den Umbau der Burg gewonnen werden. Die Burghalle gestaltete er in Anlehnung an die Halle im Musikheim.

 

Weitere Informationen

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[1] Bitterhof, Erich: Das Musikheim Frankfurt/Oder 1929-1941, Burg Ludwigstein, 1980, S. 100.

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