Jugendmusikbewegung

Lehrgangsgruppe mit Georg Götsch
Lehrgangsgruppe mit Georg Götsch, Quelle: Archiv der Jugendbewegung

Jugend(musik)bewegung

Das Musikheim in Frankfurt/Oder ist ein Kind der deutschen Jugend(musik)bewegung – ja, man könnte es fast als „steingewordene“ Jugendmusikbewegung bezeichnen.

Die Jugendbewegung selbst nahm Ende des 19. Jahrhunderts mit dem Wandervogel ihren Anfang. Der Wandervogel war durch den Zusammenschluss wanderbegeisterter Schüler und Studenten in Steglitz (heute Stadtteil Berlins) entstanden – als ein Versuch, dem als eng empfundenem schulischen und gesellschaftlichen Umfeld zumindest zeitweise zu entkommen.

Das romatische „Zurück zur Natur!“ der Wandervögel war somit eine Antwort auf die lebensfeindliche Enge der Städte und die Bevormundung durch Eltern, Lehrer und Obrigkeit. Die Wandervögel waren meist eher unpolitisch, es ging ihnen um persönliche Freiheit und Selbstbestimmung innerhalb einer Gesellschaft, die durch preußischen Untertanengeist geprägt war.

„Zunächst ging es den Wandervögeln ganz pragmatisch um den praktischen Nutzen von Musik: Es wandert sich gut mit einem Lied auf den Lippen, und Lagerfeuerromantik ist mit Liedern nochmal so schön“[1], wie Dorothea Kolland es ausdrückt. Das Volkslied wurde wiederentdeckt und erste Sammlungen von Liedern herausgegeben, darunter der Zupfgeigenhansl, der das Liederbuch der Jugendbewegung wurde.

Dem Hurra-Patriotismus der späten Kaiserzeit versuchten sich die Wandervögel durch Wahrung politischer Neutralität zu entziehen. Ein großer Einschnitt war der Erste Weltkrieg, aus dem viele Wandervögel und Mitglieder anderer Jugendorganisationen nicht zurückkehrten. Die Überlebenden waren oft durch das Erlebte desillusioniert – die Zeit selbstgenügsamer Aktivitäten war vorüber.

Den neugegründeten Gruppen der Bündischen Jugend ging es nun um eine grundlegende Umgestaltung der Gesellschaft. Nicht die Entwicklung des Individuums stand im Mittelpunkt, sondern die der Gesellschaft als Ganzes. Einem Ziel, dem sich die Mitglieder der Bünde voll und ganz zu verschreiben hatten. Aufnahme in einen der Bünde fand nicht jeder – es wurde eine Auslese getroffen und man verstand sich in gewissem Sinne als elitär.

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