Die Staatlichen Bauhochschule in Weimar (1926-1930)

Die Staatlichen Bauhochschule in Weimar (1926-1930)

Die Linksparteien wurden nun von vorneherein zu entschiedenen Gegnern der Nachfolgeeinrichtung. Das ursprüngliche Vorhaben – Umwandlung in eine Kunstgewerbeschule – wurde fallengelassen. Das Bauhaus sollte nun in geänderter Form und unter neuer Leitung weitergeführt werden – bereits im Januar 1925 war dahingehend Kontakt zu Bartning aufgenommen worden.

Das erste Konzept für eine Bauakademie, das Bartning vorlegte, lehnte sich an seine eigenen, früheren Reformpläne an, welche er 1919 zusammen mit Gropius erarbeitet hatte: Aufteilung in eine Vorschule (dreijährig, Abschluss als Geselle) und eine Hohe Schule (Abschluss Diplom), Einrichtung von Werkstätten wie Tischlerei, Schmiede, Schlosserei, etc. aber auch Druckerei, Buchbinderei, Weberei und Schneiderei. Bartning forderte in seinem Konzept staatliche Bauaufträge für die Bauakademie, die durch private Aufträge des Schulleiters ergänzt werden könnten. Er verwies auf die fehlende Bauabteilung im Bauhaus und legte dabei den eigenen Schwerpunkt auf die Architektur.

Das insgesamt gemäßigte Konzept wurde schließlich nach einer Überarbeitung – die Vorschule entfiel, die Hohe Schule wurde zur Bauabteilung – mit der Gründung der „Staatlichen Hochschule für Handwerk und Baukunst“ zum 19. April 1926 verwirklicht. Mit gütlicher Einigung vom 3. Dezember hatte die neue Einrichtung auf die Rechte an den Bauhaus-Erzeugnissen und auch auf den Namen Bauhaus verzichtet.

Bartning konnte aus den Reihen der ehemaligen Bauhaus-Werkstattmitarbeiter Lehrkräfte für die neue Bauhochschule gewinnen, so z.B. Erich Dieckmann, Wilhelm Wagenfeld und Otto Lindig. Als Leiter für die Bauabteilung wurde im März 1926 Ernst Neufert engagiert, der mit fünfundzwanzig Jahren bereits Leiter des Dessauer Büros von Walter Gropius war – ein großer Gewinn für die Bauhochschule und ein großer Verlust für Gropius.
Der Vertrag von Bartning sah ein Jahresgehalt von zwölftausend Mark vor, welches zusammen mit dem auch sonst sehr großzügigen Etat der Bauhochschule die Kritik der Landtags-Opposition hervorrief, zumal Bartning Büro und Wohnsitz in Berlin behielt und nur monatlich mehrmalig in Weimar weilte. In seiner Antrittsrede wandte es sich u.a. gegen Programme und Doktrinen und betonte seine politische Zurückhaltung, die er auch später durchhielt.

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