Arbeitsrat

Der Arbeitsrat

Bartnings Nachkriegstätigkeit in den verschiedenen Vereinigungen wie dem Arbeitsrat für Kunst und dem Deutschen Werkbund zielte auf eine grundlegende Reform des kulturellen Lebens in Deutschland.

Der Arbeitsrat für Kunst hatte sich im November 1918 in Berlin unter der Führung Bruno Tauts gebildet. Bereits im März 1919 übernahm Walter Gropius den Vorsitz. Dem Arbeitsrat gehörten neben Walter Gropius, den Gebrüdern Taut und Otto Bartning u.a. auch die bildenden Künstler Max Pechstein, Emil Nolde, Karl Schmidt-Rottluff und Lyonel Feininger an.

Die erste Flugschrift des Arbeitsrates erschien unter dem Titel „Ein Architektur-Programm“ im Dezember 1918. Im zur gleichen Zeit verbreiteten Gründungsmanifest stand als Leitsatz:
„Kunst und Volk müssen eine Einheit bilden. Die Kunst soll nicht mehr Genuß weniger, sondern Glück und Leben der Masse sein. Zusammenschluß der Künste unter den Flügeln einer großen Baukunst ist das Ziel. Fortan ist der Künstler allein als Gestalter des Volksempfindens verantwortlich für das sichtbare Gewand des neuen Staates.“

Dem Leitsatz folgten die Forderungen nach: weiter: Leitsätze

1. Anerkennung des öffentlichen Charakters aller Bautätigkeit, der staatlichen und privaten. Aufhebung aller Beamtenprivilegien. Einheitliche Leitung ganzer Stadtteile. Straßenzüge und Siedlungen, ohne daß die Freiheit im einzelnen beeinträchtigt wird. Neue Aufgaben: Volkshäuser als Vermittlungsstätten aller Künste an das Volk. Ständige Experimentiergelände zur Erprobung und Vervollkommnung neuer baulicher Wirkungen.

2. Auflösung der Akademie der Künste, der Akademie für das Bauwesen und der Preußischen Landeskunstkommission in ihrer bisherigen Gestalt. Ersatz dieser Körperschaften bei neuer Abgrenzung ihres Arbeitsfeldes durch solche, die aus der produktiven Künstlerschaft selbst ohne staatliche Beeinflussung geschaffen werden. Umwandlung der privilegierten Kunstausstellungen in freie.

3. Befreiung des gesamten Unterrichts für Architektur, Plastik, Malerei und Handwerk von staatlicher Bevormundung. Umwandlung des künstlerischen und handwerklichen Unterrichts von Grund auf. Bereitstellung staatlicher Mittel dafür und für Meistererziehung in Lehrwerkstätten.

4. Belebung der Museen als Bildungsstätten für das Volk. Einrichtung ständig wechselnder, durch Vorträge und Führungen dem ganzen Volke dienstbar gemachter Ausstellungen. Ausscheidung des wissenschaftlichen Materials in Zweckbauten. Absonderung technisch geordneter Studiensammlungen für Kunsthandwerker. Gerechte Verteilung der staatlichen Mittel zum Erwerb alter und neuer Werke.

5. Beseitigung der künstlerisch wertlosen Denkmaler sowie aller Bauten, deren Kunstwert im Mißverhältnis zu dem Wert ihres anders brauchbaren Materials steht. Verhinderung voreilig geplanter Kriegsdenkmäle und unverzügliche Einstellung der Arbeiten für die in Berlin und im Reich vorgesehenen Kriegsmuseen.

6. Bildung einer Reichstelle zur Sicherung der Kunstpflege im Rahmen der künftigen
Gesetzgebung.

zurück << 1 2 3 >> weiter

 

<< zurück zu: Bauhaus und staatliche Bauhochschule

Comments are closed.