Gründung

Die Gründung des Bauhauses

Gropius hatte zwischenzeitlich im Alleingang das Bauhaus in Weimar gegründet – das „Staatliche Bauhaus“ entstand am 12. April 1919 aus der Vereinigung der Großherzoglich-Sächsischen Hochschule für Bildende Kunst in Weimar und der 1915 aufgelösten Kunstgewerbeschule Weimar.

Im Gründungsmanifest des Bauhauses hieß es: Gründungsmanifest

„Das Endziel aller bildnerischen Tätigkeit ist der Bau! Ihn zu schmücken war einst die vornehmste Aufgabe der bildenden Künste, sie waren unablösliche Bestandteile der großen Baukunst. Heute stehen sie in selbstgenügsamer Eigenheit, aus der sie erst wieder erlöst werden können durch bewußtes Mit- und Ineinanderwirken aller Werkleute untereinander. Architekten, Maler und Bildhauer müssen die vielgliedrige Gestalt des Baues in seiner Gesamtheit und in seinen Teilen wieder kennen und begreifen lernen, dann werden sich von selbst ihre Werke wieder mit architektonischem Geiste füllen, den sie in der Salonkunst verloren.
Die alten Kunstschulen vermochten diese Einheit nicht zu erzeugen, wie sollten sie auch, da Kunst nicht lehrbar ist. Sie müssen wieder in der Werkstatt aufgehen. Diese nur zeichnende und malende Welt der Musterzeichner und Kunstgewerbler muß endlich wieder eine bauende werden. Wenn der junge Mensch, der Liebe zur bildnerischen Tätigkeit in sich verspürt, wieder wie einst seine Bahn damit beginnt, ein Handwerk zu erlernen, so bleibt der unproduktive “Künstler” künftig nicht mehr zu unvollkommener Kunstübung verdammt, denn seine Fertigkeit bleibt nun dem Handwerk erhalten, wo er Vortreffliches zu leisten vermag. Architekten, Bildhauer, Maler, wir alle müssen zum Handwerk zurück! Denn es gibt keine “Kunst von Beruf”. Es gibt keinen Wesensunterschied zwischen dem Künstler und dem Handwerker. Der Künstler ist eine Steigerung des Handwerkers. Gnade des Himmels läßt in seltenen Lichtmomenten, die jenseits seines Wollens stehen, unbewußt Kunst aus dem Werk seiner Hand erblühen, die Grundlage des Werkmäßigen aber ist unerläßlich für jeden Künstler. Dort ist der Urquell des schöpferischen Gestaltens.
Bilden wir also eine neue Zunft der Handwerker ohne die klassentrennende Anmaßung, die eine hochmütige Mauer zwischen Handwerkern und Künstlern errichten wollte! Wollen, erdenken, erschaffen wir gemeinsam den neuen Bau der Zukunft, der alles in einer Gestalt sein wird: Architektur und Plastik und Malerei, der aus Millionen Händen der Handwerker einst gen Himmel steigen wird als kristallenes Sinnbild eines neuen kommenden Glaubens.“

Das Programm des Bauhauses stimmte in vielen Punkten mit den Überlegungen Bartnings überein. Bartning versah seine Vorschläge daher mit der Fußnote: „Bei der Fertigstellung des Unterrichts-Planes unterstützte mich ein Sonderausschuss des ‚Arbeitsrat für Kunst’, dem u.a. Walter Gropius angehörte. Gropius hat dann als Erster einen praktischen Versuch zur Verwirklichung eines größeren Ausschnittes dieses Planes angekündigt in dem ‚Programm des Staatlichen Bauhauses Weimar’, auf das hier deshalb hingewiesen sei“.[1]

Bartning war menschlich sehr enttäuscht vom Alleingang Walter Gropius’, anerkannte aber dessen Leistung, wie er noch Jahrzehnte später in einem Brief schrieb: „[…] Ich war dann ein Viertel Jahr lang krank im Schwarzwald. Als ich zurückkehrte, war das Bauhaus in Weimar gegründet.[…] Es war ein echter Schmerz, der mich aber sehr bald lehrte, daß Schemata und Grundsätze nicht viel wert sind, sondern daß bei einer Schule entscheidet, welche Personen man um sich schart und was man mit ihnen vollbringt. Und hier liegt die grosse, einmalige und wahrhaft weltbewegende Leistung von Walter [sic] Gropius, die ich ihm und jedem anderen gegenüber nicht deutlich und freimütig genug betonen kann“.[2]

zurück << 1 2 >> weiter

 

<< zurück zu: Bauhaus und staatliche Bauhochschule

____________________________

[1] Bartning, Otto: Vorschläge zu einem Lehrplan für Handwerker, Architekten und bildende Künstler, in: Mitteilungen des Deutschen Werkbundes, 1919/20, S. 42-47.
[2] Bartning, Otto: Brief an Gustav Friedrich Hartlaub, 13.1.1954, S.5, Bartning-Archiv TU Darmstadt.

Comments are closed.